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Ohne Semantik ist alles bedeutungslos! Ein Rückblick auf die 5. DocMuc

[01|07|2018]

Am 21. Juni 2018 fand zum fünften Mal die Münchner Konferenz für Technische Redaktion DocMuc statt. Unter dem Motto „Potentiale für Unternehmen – welchen Mehrwert bietet Technische Kommunikation?“ fanden sich rund 100 Teilnehmer in den Räumlichkeiten des Veranstalters, dem Studienbereich „Technische Redaktion und Kommunikation“, an der Hochschule München ein.

Ganz im Sinne der Konferenzleiterin und Studiengangsgründerin Frau Prof. Dr. Grünwied vernetzte sich Industrie und Forschung und tauschte sich über die aktuellen Branchentrends aus. Als besonderes Merkmal der DocMuc stach der Dialog zwischen Experten und Studierenden hervor: Erfahrene Profis der Technischen Kommunikation sprachen angeregt mit den Redakteuren von Morgen.

Keynote-Speaker hinterfragt künstliche Intelligenz

Auf die Konferenzeröffnung folgte eine Keynote von Jody Byrne. Der erfahrene Technische Redakteur und Übersetzer von SAP Irland provozierte mit seiner Leitfrage: Macht der Einsatz von künstlicher Intelligenz den Menschen in der Technischen Kommunikation in Zukunft unnötig?

Jody Byrne während seiner polarisierenden Keynote. (Foto: Michael Klausner)
Jody Byrne während seiner polarisierenden Keynote. (Foto: Michael Klausner)

Anhand eines fiktiven Szenarios beleuchtete Byrne dabei die Problematik auf eine eigenwillige, aber anschauliche Art und Weise. Man stelle sich vor, in naher Zukunft könne man Verstorbene durch Analysen derer Social-Media-Profile „wiederbeleben“, indem man künstliche Abbilder derer Persönlichkeiten in täuschend ähnliche Körpernachbildungen einspeist. Anfänglich könne dies wie eine bereichernde Technologie wirken, doch aller Wahrscheinlichkeit nach wären die verursachten Irritationen bei echten Menschen wohl zu groß.

So lieferte Byrne die Antwort auf die eingangs gestellte Frage mit: Ohne regulierende Größe – also Menschen – ist es unwahrscheinlich, dass künstliche Intelligenz eine ausreichend große Akzeptanz findet. So lange sich Technische Kommunikation an Menschen richtet, werden auch menschliche Technische Redakteure gebraucht.

Zwischen Fachvorträgen …

Prof. Dr. Ley gibt eine Einführung in den Themenschwerpunkt der Semantischen Technologien. (Foto: Michael Klausner)
Prof. Dr. Ley gibt eine Einführung in den Themenschwerpunkt der Semantischen Technologien. (Foto: Michael Klausner)

Im Mittelpunkt der Konferenz standen Fachvorträge, die sich in Schwerpunkte untergliederten, die man so auch im Studiengang Technische Redaktion und Kommunikation wiederfindet: Semantische Technologien in der Technischen Kommunikation, unternehmensinterne Kommunikation sowie Software-Dokumentation und User Assistance.

Hierbei kristallisierten sich Highlights heraus. Wie in anderen Fachbereichen auch, verändert die Digitalisierung das Gebiet der Technischen Kommunikation stark. Erkennbar ist dies etwa daran, dass herkömmliche, sequentielle Dokumentationsmethoden abgelöst werden. Der sich vollziehende Wandel hin zu „Informationshäppchen“ ist zusätzlich gekennzeichnet durch grundlegend neue Zugriffsarten auf die Informationsprodukte: Nutzer wollen nicht mehr dazu verpflichtet sein diszipliniert zu lesen. Vielmehr sehen sie sprachgesteuerte Medien und Chatbots in der Rolle der Informationsvermittler. Gerade bei jungen Menschen ist nahezu keine Hemmschwelle zu digitalen Medien mehr erkennbar, was diese auch empfänglich für Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen macht.

Semantische Technologien gestalten die Technik Kommunikation ebenfalls um. Durch Festlegen von Eigenschaften – sogenannten Meta-Daten – von Informationsbausteinen, werden Informationsprodukte zunehmend intelligent und „verstehen“ die Informationen, die sie zur Verfügung stellen. Dies hat beispielsweise zur Folge, dass Nutzer Inhalte kontextsensitiv oder klassifiziert nach Oberbegriffen suchen und finden können.

… und Flurgesprächen

Zwischen den Vorträgen hatten die Konferenzteilnehmer Gelegenheit in den Dialog mit Studierenden zu treten. Besondere Anziehungspunkte waren dabei das geöffnete Foto- und Medienstudio und das Usability-Labor. Hier konnten die Besucher Eye-Tracking-, Augmented- und Virtual-Reality-Technologien selbst testen und sich dabei von Studierenden anleiten lassen.

Live im Einsatz: Augmented-Reality-Technologie (Foto: Michael Klausner)
Live im Einsatz: Augmented-Reality-Technologie (Foto: Michael Klausner)

Gerade dieser Dialog und die Nähe zu zukunftsorientierten Themen fanden besonderen Anklang. So ließ etwa ein Teilnehmer nach dem Besuch im Usability-Labor verlauten, dass er das Thema Gebrauchstauglichkeit in der Praxis bisher eher vernachlässigt hatte. Nun überlege er, wie er seine Informationsprodukte künftig unter den Gesichtspunkten der Gebrauchstauglichkeit besser gestalten könne.

Ein Gast des Fotostudios lobte, dass das große Potential von Augmented-Reality für die Technische Kommunikation erkannt und als Hands-On für die Teilnehmer aufbereitet wurde. Man stelle sich den Mehrwert einer Smartphone-App vor, die die nötigen Informationen für eine technische Handlung direkt auf einem eingefangenen Kamerabild darstellt. Nutzer können so etwa die Position eines Ölmessstabs im Motorraum eines KFZs direkt einsehen.

Eine erfolgreiche Veranstaltung

Die Resonanz der Besucher war äußerst positiv. Es war nicht zu übersehen, dass die Schwerpunkte der DocMuc Denkprozesse bei den Teilnehmern anregten. Bei der Abschlussveranstaltung wurden drei große Pinnwände präsentiert, auf denen die Besucher nach den jeweiligen Vorträgen die Möglichkeit hatten, Kommentare zum Vortragsthema zu platzieren.

Hier vermerkten Teilnehmer etwa, dass sie in der Mixed-Reality – also einer Informationsdarbietung, die die natürliche Wahrnehmung des Nutzers mit computererzeugten Inhalten ergänzt – eine Revolution in der Technischen Dokumentation sehen.

Auch Herr Prof. Dr. Ley – seines Zeichens Experte auf dem Gebiet der semantischen Technologien – kommentierte die Konferenz aussagekräftig: „Ohne Semantik ist alles bedeutungslos!“.

Als zum Konferenzabschluss den Teilnehmern noch einmal das Wort erteilt wurde, betonte eine Stimme das gute Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis. Eben dieses Gleichgewicht steht im Mittelpunkt der Philosophie der Lehre an der Hochschule München und unterstreicht somit ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der DocMuc.